„LULA“

Aus  Anlaß der erfolgten Abweisung eines weiteren Rechtsmittels das die Rechtsanwälte des ehemaligen brasilianischen Staatspräsidenten Luis Inácio Lula da Silva (von seinen vielen Anhängern liebevoll „Lula“ genannt) gegen die Vollstreckung seiner  Verurteilung  eingelegt hatten, möchte ich die Einschätzung abgeben, daß dies Grund zur Hoffnung gibt. Die Bedeutung der Entscheidung liegt vor allem darin, daß dies eine erneute Kandidatur und entsprechenden Wahlsieg des bei großen Schichten des brasilianischen Volkes überaus beliebten Politikers mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließt, wenn auch die endgültige Entscheidung darüber erst bei formeller Einreichung seiner Kandidatur getroffen werden wird. Die Verhinderung einer erneuten Kandidatur des Ex-Präsidenten ist meines Erachtens von größter Wichtigkeit für die Erholung des Landes, das nunmehr (wie viele andere auch) in einer tiefen wirtschaftlichen und politischen Krise steckt, obwohl es unter Lulas Vorgänger Fernando Henrique Cardoso vergleichsweise gut aufgestellt war. Als Beispiele der Gründe für meine positive Beurteilung der Regierungszeit „FHC“s sollen die Zügelung der galoppierenden Inflation durch den „Plano Real“, das Aufblühen des Tourismus, die Einführung zahlreicher Sozialleistungen, die Verleihung des Investment Grades unter Lula als Folge der zuvor vollbrachten Reformleistungen, sowie diverse Privatisierungen dienen, alles Errungenschaften der Politik von Lulas Vorgänger FHC.

Was hat Lula zu verantworten? Abgesehen von der  ausbeuterischen Selbstbedienungsmentalität der politischen Klasse, die, wie ich betonen möchte, auch in vielen anderen Ländern zu beklagen ist, hat Lula das Land auf Kosten des dauerhaft abstiegsgefährdeten brasilianischen Mittelstandes zu einer kurzlebigen Scheinblüte geführt, indem er zwar einerseits die staatlichen Transferleistungen an die armen Bevölkerungsschichten erhöht, insbesondere aber die ohnehin schon überbordende Staatsquote weiter aufgebläht hat. Brasilien ist mit einem übermäßig großen, teuren und ineffektiven öffentlichen Sektor geschlagen, der weiter wächst und schon lange unbezahlbar geworden ist, wie man an bankrotten Staaten wie Rio de Janeiro leicht erkennen kann. Lula hat mit seiner Partei „PT“ virtuos den für sozialistisch ausgerichtete Regierungen üblichen Stimmenkauf mit Staatsgeldern betrieben und dabei die Staatskasse auf allen politischen Ebenen geplündert, wie mittlerweile ja auch gerichtlich  hinlänglich erwiesen ist.

Das grundsätzliche Problem, daß der Staat im Vergleich zu der ihn tragenden Privatwirtschaft viel zu groß ist und immer weiter wächst, ist in Brasilien leider ausgeprägter als in vielen anderen Ländern.

Es soll hier aber aufgrund des spezifischen Fokus dieses Blogs nicht unerwähnt bleiben, daß die Krise für Ausländer in vielerlei Hinsicht eine Gelegenheit bedeutet, da die zu Lulas Zeiten völlig überbewerteten brasilianischen Immobilien und die brasilianische Währung „Real“ nun erneut realistisch bemessen werden. Seit der „Bankenkrise“ (eher Mißwirtschaftskrise) von 2008, mit der die Welt wie schon so oft aus den USA beglückt wurde, ist es in Europa und USA, abgesehen vom risikobehafteten Aktienmarkt, schwer geworden lohnende Anlagen zu finden.

Brasilianische Immobilien sind sicher und werthaltig, mir ist es in den über 20 Jahren meiner Tätigkeit in Brasilien noch nicht untergekommen, daß ein Ausländer, der brasilianische Immobilien erworben hat, damit Verlust gemacht hätte. Ganz im Gegenteil, vielen Ausländern war es in der Vergangenheit möglich gewesen, die Immobilien zu einem günstigen Wechselkurs, also starke Eigenwährung im Vergleich zum Real, und dabei niedrigem Grundstückspreis zu kaufen und anschließend zu einem wiederum günstigen Wechselkurs, diesmal entgegengesetzt, nämlich starker Real im Vergleich zur Eigenwährung, und hohem Preis, wieder zu verkaufen, wodurch gleich ein doppelter Gewinn erzielt wurde. Die hier von mir getroffene Aussage, daß man mit brasilianischen Immobilien sicher fährt, gilt natürlich nur, insofern der Erwerb nach den Regeln der Kunst, also juristisch korrekt, durchgeführt wurde. Leider werden von euphorischen ausländischen Käufern häufig die Vorsichtsmaßnahmen, die sie im eigenen Land wie selbstverständlich beachten würden, außer acht gelassen. Oft werden solche Geschäfte von unbedarften Ausländern im Eifer des Gefechts „per Handschlag“, also ohne Rechtsanwalt und Notar auf Risiko vorgenommen. Machen Sie sich keine Illusionen: Geld, das sie bei einem Immobilienkauf einmal bezahlt haben, werden Sie, wenn sich anschließend herausstellt, daß die Immobilie mit ihren Wert stark beeinträchtigenden rechtlichen oder tatsächlichen Mängeln behaftet ist, nicht zurückerhalten. Darauf abzielende langwierigere und kostspielige Gerichtsverfahren werden in aller Regel ins Leere gehen, da der brasilianische Verkäufer das Geld üblicherweise bereits ausgegeben haben wird, um seine Schulden zu tilgen und es in der Familie zu verteilen. Vergessen Sie bitte nicht, daß die meisten Menschen ihre Immobilien verkaufen, weil sie sich in einer wirtschaftlichen Situation befinden in der sie Geld brauchen. Das gilt ganz besonders für die „Gelegenheiten“.