São João

Brasilien ist unter anderem für seinen Karneval bekannt. Insbesondere die Festivitäten in Rio de Janeiro und Salvador da Bahia genießen Weltruhm. Nach meiner Ansicht ist aber das beste Fest in Bahia nicht der im Februar in Salvador stattfindende Straßenkarneval, sondern die im Juni in den vielen Kleinstädten und Dörfern des Inlands, dem sogenannten „Interior“ stattfindenden Junifeste. Der „São João” ist ein knapp zweiwöchiges Fest, das von seinem Anlaß her mit dem amerikanischen Erntedankfest verglichen werden kann und der Feier der ländlichen Idylle frönt. Obwohl auch in der Hauptstadt Salvador alljährlich in der historischen Altstadt, dem „Pelourinho“ ein solches Fest ausgerichtet wird, sind die berühmtesten Festorte sämtlich im Inland von Bahia angesiedelt, etwa in Santo Antônio de Jesus, Cachoeira oder Amargosa. Wo man im Inland genau hinfährt ist indes nicht so wichtig, überall wird bei Fruchtlikör, Maiskolben, Kochbananen und Erdnüssen dem Forro, einer Art brasilianischer Countrymusik, gelauscht. Bands spielen überall auf Bühnen in der Ortsmitte, und betont ländlich gekleidete Männer und Frauen widmen sich mit Begeisterung, Können und südamerikanischen Temperament dem klassischen Paartanz. Die Damen tragen dabei gerne einen traditionellen Aufzug als Landpomeranze, komplett mit langem Karokleid, Pipi Langstrumpf-Zöpfen und aufgemalten Sommersprossen, und die Männer gefallen sich als Cowboys im Karo Hemd mit Lederstiefeln und Cowboyhut.

São João wird nicht nur in Bahia gefeiert, aber hier ist er sehr beliebt, traditionell und sicherlich eines der besten brasilianischen Feste überhaupt. Die Festivitäten spielen sich hauptsächlich in den Tagen vor und nach der Kernzeit vom 22. bis 24. Juni ab. Ich will mich hier nicht über die Einzelheiten betreffend Forromusik und den gleichnamigen Tanz auslassen, dazu findet sich genug im Internet, sondern lediglich meine persönliche Einschätzung und Empfehlung abgeben, daß man die Junifeste in Bahia einmal gesehen haben sollte, und ihnen gar vor dem Karneval den Vorzug geben sollte, obwohl sie in der Regenzeit stattfinden. Besonders interessant ist São João natürlich wenn es wie dieses Jahr wieder mit der Fußball Weltmeisterschaft zusammenfällt, ein Anlaß der für die Brasilianer ohnehin Volksfestbedeutung hat, so daß hier gleich zwei bedeutende Feste zusammenfallen und beschwingte Zeiten garantieren.

Der richtige Zeitpunkt!

Der richtige Zeitpunkt, um in Brasilien Immobilien zu erwerben ist jetzt. Wir sind zwar Rechtsanwälte, keine Immobilienmakler. Dennoch haben wir in den über zwanzig Jahren unserer Tätigkeit in Salvador da Bahia unzählige Immobiliengeschäfte abgeschlossen. Das liegt daran, daß wir eine auf die Vertretung der Interessen von Ausländern ausgelegte Kanzlei sind, und einer der größten Interessenschwerpunkte von Ausländern seit jeher der Erwerb brasilianischer Immobilien war. Insbesondere Strandgrundstücke oder Appartements mit Meeresblick in den subtropischen Zonen Brasiliens mit ihrem nahezu ganzjährig angenehmen Klima erfreuten sich stets einer hohen Nachfrage. Hier gab es vor ca. 3-4 Jahren eine Zäsur, denn während der Regierungszeit der PT gab es in Brasilien eine rege Bautätigkeit und einen starken Preisanstieg bei brasilianischen Immobilien. Hinzu kam ein starker brasilianischer Real, so daß die Käufe durch Ausländer in dieser Zeit stark nachgelassen haben. Viele der ausländischen Erwerber haben die Gelegenheit des für sie günstigen Kurses genutzt, um stattdessen ihrerseits zu verkaufen und einen Gewinn mitzunehmen. Bei der Entwicklung auf dem brasilianischen Immobiliensektor in der LULA-Zeit, handelte sich jedoch um eine Blase in der Überkapazitäten geschaffen wurden und die relativ kurz nach Ablösung der PT-Regierung geplatzt ist. Es hat dadurch eine Preiskorrektur stattgefunden und seitdem sind brasilianische Immobilienpreise um ca. 30% gefallen, was einen realistischen Preis darstellt. Gleichzeitig hat aber auch der brasilianische Real im Verhältnis zum US Dollar und EURO stark nachgegeben. Derzeit steht der US Dollar zum Real in einem Verhältnis von 1 : 3,78 und der EURO in einem Verhältnis von 1 : 4,6. Dadurch sind brasilianische Immobilien nun wieder sehr günstig geworden.

Mal ganz abgesehen davon, daß man als Ausländer in Brasilien Eigentum an Immobilien erwerben kann, was in manchen asiatischen oder kommunistischen Ländern ja von vornherein ausgeschlossen ist, sind brasilianische Immobilien zudem sicher. Ähnlich wie bei den meisten Ländern der westlichen Hemisphäre, wird auch in Brasilien das Eigentum im Grundbuch registriert. Auch in Brasilien sind am Immobilienerwerb Notare beteiligt, allerdings haben sie dabei nicht dieselbe umfassende Aufgabenbreite und Garantiefunktion wie sie sie etwa in Deutschland haben. In Brasilien ist der Notar im Wesentlichen als ein bloßer Urkundsbeamter am Geschäft beteiligt, es gibt weder ein Notaranderkonto, noch eine Auflassungsvormerkung, die Risiken der Geschäftsabwicklung verbleiben somit bei den Parteien, insbesondere beim Erwerber. Dies macht die Hinzuziehung eines Anwaltes erforderlich. Die von Verkäuferseite häufig an der Abwicklung beteiligten Immobilienmakler verfügen zwar oftmals über die erforderliche Sachkenntnis, haften aber nicht für Rechtsmängel oder sonstige Unzulänglichkeiten der Immobilie, noch sind sie gesetzlich oder standesrechtlich dazu verpflichtet, ihnen etwaig bekannte Mängel mitzuteilen. Der Fokus der brasilianischen Immobilienmakler ist aufgrund ihres wirtschaftlichen Interesses am Abschluß des Geschäfts auf Verkauf gerichtet, denn erst dann werden sie von ihrem Kunden bezahlt. Dies verführt oft dazu, insbesondere den Erwerber nicht über bestehende Risiken aufzuklären.

Rechtliche und faktische Risiken wie Baumängel, fehlendes oder beschränktes Eigentum, fehlerhafte Eintragung im Grundbuch, insbesondere hinsichtlich der Grundfläche, Hypotheken, Grundsteuerschulden, Besitz-, Nutzungs- und Wegerechte, sowie auch alle sonstige Lasten lassen sich aber mit der entsprechenden Sach- und Rechtskenntnis sicher ausschließen. Der lastenfreie Erwerb des Eigentums kann durch die Einschaltung eines Rechtsanwaltes gewährleistet werden, und dazu muß sich der Erwerber noch nicht einmal im Land aufhalten. Alle Arten von Immobilienerwerb sind durch eine notarielle Vollmacht auch in Abwesenheit durch Stellvertreter möglich.

Auch sonst sind brasilianische Immobilien als sicher einzustufen, denn sie sind weder von Naturkatastrophen, noch von Kriegen oder Enteignungen bedroht. Immobilieneigentum steht nach der brasilianischen Verfassung zwar unter besonderem Schutz, aber in einem Land von kontinentalen Ausmaßen verfügt der Staat ohnehin schon über enorme Ländereien, so daß eine Enteignung für ihn in der Regel nicht von Interesse ist. Der brasilianische Staat braucht Geld, kein Land. Eine in allen Ländern der Welt durchaus mögliche, und von vielen Experten sogar erwartete, Währungsreform betrifft Immobilien nicht, und sie unterliegen auch nicht dem Wertverfall durch Inflation. Was den Erwerb brasilianischer Immobilien zusätzlich interessant macht, ist, daß durch den Erwerb zugleich die Erlangung einer unbefristete Aufenthaltserlaubnis in der Form des sogenannten Investorenvisums möglich ist, wenn man den Kauf über eine dafür zu gründende Firma vornimmt. Der Erwerb insbesondere mehrerer Immobilien über eine Firma bringt zudem noch steuerliche Vorteile bei Verwaltung und wirtschaftlicher Nutzung.

ENTWARNUNG

Der Streik der Fernfahrer ist offiziell beendet, und anders als bei der großen Überschwemmung in New Orleans blieb es in Salvador, wo wir leben und sich unsere Kanzlei befindet, ruhig. Es gab keine Plünderungen, keine Aufstände oder Tumulte, keine zivilen Unruhen. Das Militär war nirgendwo zu sehen und wurde auch nicht gebraucht. Es kam mit Ausnahme des Treibstoffs auch nicht zu nennenswerten Versorgungsengpässen. Für ein paar Tage war die wirtschaftliche Tätigkeit vermindert, in dem Sinne, daß einige Läden geschlossen blieben.

Der Fernfahrerstreik in Brasilien hat gleichwohl weltweites Medieninteresse erregt und wieder fühle ich mich berufen, zu diesem Anlaß ein paar Dinge zurechtzurücken: Es wird immer wieder berichtet, in Brasilien sei es um die öffentliche Sicherheit nicht sonderlich gut bestellt, so als sei dies ein brasilianisches Phänomen. Wie sieht es in dieser Richtung aber in den USA oder Europa aus? Auch dort glänzt die Polizei im Ernstfall zunehmend mit Abwesenheit. In den großen europäischen und nordamerikanischen Metropolen sind ganze Stadtteile für die lokalen Ordnungskräfte unbegehbar und teilweise verweigern die Versicherer dort wegen des hohen Vandalismusrisikos sogar den Abschluß von KfZ-Versicherungen. Mit Vorliebe wird in der internationalen Presse die brasilianische Kriminalität zum Thema gemacht, obwohl sich diese in ihren gewalttätigen Formen im wesentlichen unter diversen Fraktionen von Verbrechern und der Polizei abspielt und den Durchschnittbürger daher eher selten betrifft. Dadurch wird aber von einem anderen, internationalen, und den einzelnen Bürger viel stärker betreffenden Problem abgelenkt: Wie in den meisten anderen Ländern auch, ist leider in Brasilien eines der größten Probleme die Regulierungswut eines immer weiter anwachsenden Staates, der seinen Bürgern viel zu hohe Steuern auferlegt, und ihnen bei ihrem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Streben zunehmend im Wege steht.

Zumindest regt sich in Brasilien dagegen der Unmut, wie zuletzt im Fernfahrerstreik, der ein durchaus politischer Protest von Bürgern einer bestimmten Berufsgruppe war und trotz aller damit verbundener Härten beim Volk auf enormes Verständnis gestoßen ist. Natürlich haben die Gewerkschaftsfunktionäre sogleich versucht den Fernfahrerstreik als ihre Initiative auszugeben, aber es war eben keine gewerkschaftlich organisierte Aktion zur Durchsetzung von Lohnforderungen, sondern eine von Bürgern initiierte Bewegung zur Anprangerung von Mißständen. Daß die heutigen Gewerkschaften den etablierten Parteien mit ihren politischen Funktionären in jeder Hinsicht viel ähnlicher sind als klassischen Arbeiterbewegungen, haben die arbeitenden Bürger längst gemerkt. Der Brasilianer wehrt sich: im „lava jato“ zeigt die überbordende Korruption reale Konsequenzen in gerichtlicher Verfolgung und langen Haftstrafen der Verantwortlichen. Und Brasilien ist auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen vorbildlich: Immer mehr Gerichtsverfahren sind digital und somit leichter zugänglich, die Gehälter der einzelnen Staatsbediensteten werden für alle Bürger offen einsehbar im Internet ausgewiesen. Obwohl die übersensibilisierten Vertreter der Diskussionswissenschaften gerne das Gegenteil behaupten, gibt es in Brasilien auch keine nennenswerten Probleme mit Rassismus. Dies kann von anderen Ländern mit hohem schwarzen Bevölkerungsanteil, wie zum Beispiel USA, Frankreich oder Großbritannien sicher nicht so ohne weiteres behauptet werden.

Ich lebe seit 20 Jahren in Brasilien und habe es nie bereut. Natürlich will ich jetzt niemandem einreden, Brasilien sei das Land in dem Milch und Honig fließt. Es ist aber sicherlich auch nicht das, was Ihnen in der Zeitung verkauft wird.