Lockdown

Derzeit befindet sich auch Brasilien im „Lockdown“. Aufgrund des anhaltenden schlechten Wetters in der Regenzeit, ist dies jedoch ein Zustand, der die meisten Einwohner von Salvador gefühlt noch wenig einschränkt. Da sie die meiste Zeit des Jahres an überwiegend sonniges Wetter gewöhnt sind, hätten sich die meisten der Baianos momentan ohnehin zu Hause befunden. Die europäische Art, mit der richtigen Kleidung und Regenschirm bewaffnet, auch bei schlechtem Wetter allerhand Aktivitäten nachzugehen, ist nicht Sache der Baianos. Die einzige Ausnahme von dieser Regel stellt São João dar, das Junifest, das auch dann ausgelassen gefeiert wird, wenn es Hunde und Katzen hagelt. Für dieses Jahr wurde es allerdings abgesagt…

Die verheerenden Auswirkungen auf die Wirtschaft stehen noch in vermeintlich ferner Zukunft, noch trägt man Maske und wäscht sich die Hände. Oder man steht, enggedrängt, vor der Staatsbank in langen Schlangen, um die staatliche Überbrückungshilfe in Empfang zu nehmen. Die gesundheitlichen Aspekte stehen derzeit im Vordergrund, bei den staatlich Bediensteten ja sowieso, auch wenn schon viele Menschen ihre Arbeitsstelle verloren haben.

Bei den Unterstützern des Präsidenten im Amt regt sich allerdings seit geraumer Zeit Widerstand, sie befürchten, wie Jair Bolsonaro auch selbst in diversen Verlautbarungen immer wieder betonte, eine weitere Vereinnahmung der Wirtschaft und Zivilgesellschaft durch den Staat. Das dahinsiechende Nachbarland Venezuela ist für die Brasilianer ein anschauliches Schreckgespenst, zusammen mit China, Kuba und Nordkorea ist es abschreckendes Beispiel für Staaten, die sich linke Ideologien auf die Fahne geschrieben haben. Das Problem dieser Ideologien, sei es nun im Gewand des Kommunismus oder des Sozialismus verschiedenster Schattierungen, ist, daß sie von einem falschen Menschenbild ausgehen. Wenn der Mensch sich dann zum Verdruß der Ideologen nicht so verhält wie gewünscht, muß der Staat einschreiten, als legitimer Vertreter des Kollektivs. Linke Ideologien neigen daher dazu, den Staat über Gebühr in die Angelegenheiten des Bürgers eingreifen zu lassen. Genau davor haben Bolsonaros Unterstützer Angst. Sie bevorzugen stattdessen ein Staatswesen, das den Bürger und seine individuellen Freiheiten in den Vordergrund rückt, nicht den Staatsapparat. Wie ich bereits mehrfach klargestellt habe, ist Jair Bolsonaro ein langjähriger Berufspolitiker und seinen Beteuerungen deshalb schon aus Prinzip kein Glauben zu schenken. Es ist aufgrund der institutionellen Gegebenheiten des brasilianischen Staatswesens zudem äußerst zweifelhaft, ob er auch nur einen Bruchteil dessen verwirklichen kann, was er bisher angekündigt hat. Was aber von Bedeutung ist, ist daß seine Wahl 2018 eine bewußte Abkehr des brasilianischen Volkes von der in Brasilien unter Lula und seiner „Arbeiterpartei“ einreißenden linken Ideologie bedeutet. Das alleine ist aus meiner Sicht ja schon viel wert.

Zur Zeit setzen die Gouverneure und Bürgermeister der meisten brasilianischen Staaten die diversen Zwangsmaßnahmen aber noch nach Gutdünken durch. Was hat sich also seit der Pandemie geändert, das für Ausländer relevant sein könnte:

  • Der Real hat stark an Wert verloren, momentan steht er bei fast 6,2 zum Euro, ein historisches Tief, das Einkaufen in Brasilien aus der Sicht von Ausländern wieder preiswert gestaltet.
  • Es besteht keinerlei Nachfrage nach Immobilien, was den potentiellen Käufer sehr begünstigt. Besonders stark betroffen sind derzeit natürlich gewerbliche Immobilien, wie Büros, Fertigungshallen, Ladenräume etc. Man darf davon ausgehen, daß brasilianische Immobilien, die nach dem Platzen der Immobilienblase aus der PT-Zeit ohnehin rund 30 % an Wert verloren haben, in der Zukunft noch weiter nachgeben werden. Allerdings wird das weit weniger für solche Immobilien gelten, die wegen ihrer erstklassigen Lage oder hohem Grad an Luxus, beziehungsweise besonders hochwertiger Verarbeitung zu den 1A-Objekten gehören. Wie vergangene Krisen, zuletzt etwa die von 2008, gezeigt haben, halten sich derartige Immobilien auch in schwierigem wirtschaftlichem Umfeld recht gut.
  • Brasilien greift nun erstmals zu einem „Allheilmittel“, das die Amerikaner, Europäer und Japaner bereits mehrfach erfolglos getestet haben und noch immer testen: Auch hier soll nun „Quantitative Easing“, also das Überschütten des Marktes durch die Zentralbank mit frisch aus dem Nichts geschaffenen Geld, die angeschlagenen Sektoren der Wirtschaft (und das sind fast alle) über Wasser halten. Die logische Folge von mehr Geld durch QE im Verhältnis zu weniger Produkten wegen Weltwirtschaftsstopp, wäre eine steigende Inflation. Aber die Gesetze der Märkte scheinen ja durch immer massivere staatliche Interventionen seit 2008 außer Kraft gesetzt zu sein. Mit Inflation hätten die Brasilianer jedenfalls Erfahrung und diese zeigt, daß Inflation Menschen mit Devisen, wie etwa Ausländer, stark bevorzugt.

Das wird alles noch sehr spannend. Warten wir´s ab. Jedenfalls gibt es nach wie vor Flüge nach Brasilien und keine Quarantänemaßnahmen für Einreisende.